GmbH mit Schulden verkaufen – so geht es richtig

Admin

3. September 2026

GmbH mit Schulden verkaufen – so geht es richtig

Wer eine GmbH führt, die in finanzielle Schieflage geraten ist, steht vor einer Entscheidung mit erheblichen Konsequenzen. Der Verkauf der Gesellschaft scheint oft der schnellste Ausweg, ist aber an Bedingungen geknüpft, die viele Gesellschafter unterschätzen. Verbindlichkeiten gegenüber Banken, Lieferanten oder dem Finanzamt machen einen Verkauf nicht unmöglich, aber deutlich komplexer.

Grundsätzliche Machbarkeit: Ja, ein Verkauf ist möglich

Eine GmbH mit Schulden zu verkaufen ist rechtlich zulässig. Die Gesellschaft bleibt als juristische Person bestehen, lediglich die Gesellschafterstellung wechselt. Der Käufer übernimmt damit das gesamte Unternehmen inklusive aller Verbindlichkeiten, es sei denn, es wird ausdrücklich etwas anderes vereinbart. Genau das ist der entscheidende Punkt: Ohne vertragliche Regelung trägt der Käufer nach dem Closing sämtliche bekannten und unbekannten Schulden.

In der Praxis bedeutet das, dass der Kaufpreis die Schuldenlast fast immer direkt widerspiegelt. Eine GmbH mit einem Eigenkapital von 80.000 Euro, aber Verbindlichkeiten von 120.000 Euro hat rechnerisch einen negativen Substanzwert. Käufer zahlen in solchen Konstellationen häufig symbolische Beträge von einem Euro, verlangen aber Garantien oder setzen auf einen strukturierten Forderungserlass vorab.

Pflichten des Verkäufers bei negativem Eigenkapital

Gesellschafter sollten eines nicht übersehen: Liegt bereits Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit vor, greift die Insolvenzantragspflicht nach Paragraf 15a InsO. Die Frist beträgt bei drohender Zahlungsunfähigkeit bis zu sechs Wochen, bei tatsächlicher Überschuldung maximal sechs Wochen ab Kenntnis der Lage. Wer in diesem Zeitraum einen Verkauf versucht, ohne parallel einen Antrag zu stellen, riskiert eine persönliche Haftung und im schlimmsten Fall strafrechtliche Konsequenzen wegen Insolvenzverschleppung.

Das heißt nicht, dass ein Verkauf bei negativem Eigenkapital automatisch scheitert. Aber er muss schnell und professionell angegangen werden. Jede Woche Verzögerung kann den Handlungsspielraum weiter einengen.

Schulden strukturieren vor dem Verkauf

Eine der wirksamsten Vorbereitungsmaßnahmen ist die Bereinigung oder zumindest die Transparenz der Verbindlichkeiten. Potenzielle Käufer wollen wissen, womit sie es genau zu tun haben. Typische Schuldenpositionen in belasteten GmbHs:

  • Bankdarlehen mit laufenden Zinsen und Sicherheiten (häufig Grundschulden oder Bürgschaften der Gesellschafter)
  • Steuerrückstände beim Finanzamt, teilweise mit Säumniszuschlägen und Vollstreckungsmaßnahmen
  • Verbindlichkeiten gegenüber Sozialversicherungsträgern, die besonders heikel sind, weil Geschäftsführer hier persönlich haften können
  • Offene Lieferantenrechnungen, die gegebenenfalls mit Abschlägen reguliert werden können
  • Gesellschafterdarlehen, die im Insolvenzfall nachrangig behandelt werden

Wer vor dem Verkauf mit einzelnen Gläubigern Verhandlungen führt und Teilverzichte vereinbart, kann den Nettowert der GmbH für Käufer deutlich attraktiver gestalten. Ein Forderungsverzicht von 30 Prozent auf Lieferantenverbindlichkeiten ist in der Praxis oft verhandelbar, wenn die Alternative der Totalausfall in der Insolvenz wäre.

Käufer finden und Vertrauen aufbauen

Der Markt für notleidende Unternehmen ist kleiner als der für gesunde GmbHs, aber er existiert. Käufer sind häufig strategische Investoren, die an Kundenstamm, Lizenzen oder Personal interessiert sind, nicht am bilanziellen Wert. Daneben gibt es spezialisierte Investoren und Unternehmensverkäufer, die auf solche Transaktionen ausgerichtet sind. Wer beim GmbH mit Schulden verkaufen professionelle Unterstützung sucht, findet auf dem Markt Anbieter, die sich auf genau diese Konstellation spezialisiert haben und sowohl die rechtliche als auch die kaufmännische Seite begleiten.

Entscheidend für jeden Interessenten ist die Due Diligence. Der Käufer wird sämtliche Unterlagen prüfen wollen: Jahresabschlüsse der letzten drei bis fünf Jahre, aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertungen, eine vollständige Liste aller Verbindlichkeiten mit Fälligkeit, laufende Verträge und mögliche Haftungsrisiken. Wer diese Unterlagen nicht vollständig vorlegen kann oder will, verliert schnell das Vertrauen potenzieller Erwerber.

Haftungsrisiken für den Verkäufer nach dem Deal

Mit der Übertragung der Geschäftsanteile endet die Rolle des bisherigen Gesellschafters in der Regel. Aber es gibt Ausnahmen, die erhebliche Nachwirkungen haben können. Wer als Gesellschafter persönliche Bürgschaften für Bankverbindlichkeiten übernommen hat, bleibt auch nach dem Verkauf gegenüber der Bank in der Haftung, sofern die Bürgschaft nicht ausdrücklich entlassen wird. Das passiert nur, wenn der Käufer der Bank ausreichend Sicherheit bietet oder die Schulden vollständig ablöst.

Ähnliches gilt für Steuerrückstände: War der bisherige Gesellschafter auch Geschäftsführer und hat Steuern nicht abgeführt, kann das Finanzamt ihn auch nach dem Verkauf persönlich in Haftung nehmen. Paragraf 69 AO macht Geschäftsführer für vorsätzlich oder grob fahrlässig nicht abgeführte Steuerbeträge haftbar, unabhängig vom Verkaufszeitpunkt.

Alternativen zum Verkauf im Blick behalten

Ein Verkauf ist nicht immer die beste Lösung. In bestimmten Situationen kann eine Sanierung im Rahmen eines Insolvenzplanverfahrens nach Paragraf 217 ff. InsO sinnvoller sein, weil sie den Gesellschaftern mehr Kontrolle lässt und Schulden geordnet reduziert. Auch die übertragende Sanierung, also der Verkauf einzelner Vermögenswerte aus der Insolvenz heraus, ist ein gängiger Weg, wenn der Gesamtverkauf scheitert.

Wer hingegen frühzeitig handelt, also bevor die Insolvenzantragspflicht greift, hat die größten Chancen auf einen Verkauf zu annehmbaren Konditionen. Schon bei ersten Anzeichen einer Krise, etwa wenn die Liquidität für mehr als zwei Monate Gehälter fehlt oder Steuerzahlungen dauerhaft gestundet werden, sollte die Frage des Verkaufs ernsthaft geprüft werden.

Entscheidend ist am Ende die Kombination aus belastbaren Zahlen, rechtlich sauberer Vorbereitung und einem realistischen Kaufpreisangebot. Gesellschafter, die das beherzigen, können auch eine stark belastete GmbH noch zu einem geordneten Abschluss bringen.